Gestohlene Erinnerung – Crouch

Detective Barry Sutton aus New York steht vor einem Rätsel. Wie aus dem Nichts beklagen sich viele Menschen, dass sie falsche Erinnerungen haben, und sich damit dann in den Tod treiben lassen. So ist der Hirnforscherin Helena Smith dieses Phänomen der Erinnerungen auch bekannt. Um dieses zu bewahren, geht die Forscherin an die Grenzen der menschlichen Vorstellung und erfindet eine Technologie, die es ermöglicht, die kostbarsten Momente noch einmal zu erleben. Leider bedroht ihre Erfindung das Schicksal der Menschheit. Zusammen mit Barry versuchen sie eine große Katastrophe zu verhindern. Was ist noch Wirklichkeit und was Fiktion?

Der Autor Crouch wagt sich an eine wunderbare Idee, „das Wiederleben von Erinnerungen“, die er in diesem Roman toll umsetzt. Seit der ersten Seite hat mich dieses Buch, insbesondere auch durch den spannenden Schreibstil, gefesselt. Wir lernen den Detective kennen, der durch eine gescheiterte Ehe und einen Schicksalsschlag, mit sich zu kämpfen hat. Anderseits taucht auch Helena schnell im Buch auf, die sich total auf ihre Arbeit fokussiert und in einem „Tunnel“ steckt. Der Plot der beiden Protagonisten entwickelt sich unabhängig vom anderen und verläuft dann ineinander über. Beide Protagonisten waren mir von Anfang an sympathisch und haben mir im gesamten Buch total gefallen. Die Hintergrundgeschichten unterstützen auch dies, da man einen guten Gesamtüberblick über die Beiden erhalten hat. Des Weiteren beginnt auch das Buch recht typisch, mit einer normalen Ermittlung. Nach wenigen Seiten kommt es zu einer spannenden Steigerung des Geschehens, indem das Phänomen in den Fokus gelegt wird. Die Idee, die sich dahinter verbirgt, vergangene Fehler mit Zeitreisen wieder gut zu machen, hat mich begeistert. Wer würde denn nicht, in die Vergangenheit reisen, um etwas wieder gut zu machen?

Außerdem ist der Roman von seiner Thematik recht anspruchsvoll. Das Erkennen der Zeitsprünge, durch die Sprünge der Protagonisten in die verschiedenen Timelines, wurden durch Zeitangaben erleichtert. Sonst würde man als Leser totale Probleme haben, um rauszufinden, ob man nun in der Realität des Geschehens oder in einer Erinnerung ist. Crouch spielt einfach wunderbar mit dem Leser und seinen Gedanken.

Ich kann nur sagen, dass mich das Buch total begeistert hat. Keine Szene wurde unnötig in die Länge gezogen und der Spannungsbogen war konstant vorhanden. Auch wenn die Idee heutzutage noch recht surreal wirkt, wurde sie hier in diesem Buch exzellent thematisiert. Irgendwie konnte man als Leser auch eine Brücke zu dem Film „Inception“ schlagen.

Influence – Christian Linker

Kannst du dir eine Welt vorstellen, in der die digitale Welt wie aus dem nichts verschwindet? Aus online wird offline. Heute sollte eigentlich Amirs großer Tag werden. Er erhielt einen Chip mit sehr wertvollen Informationen. Diesen sollte er an einen bekannten Netzaktivisten namens Habakuk ausliefern. Die tiefsten Geheimnisse der Geschichte des Internets könnten damit offenbart werden. Doch kurz bevor Amir bei Habakuk auftritt, fällt das ganze Netz aus. Wer ist dafür verantwortlich? Weiß dieser jemand von Amirs Plan Bescheid? Will er Amir aufhalten?

Dieses Buch weist ein schönes Design auf und ist von der Haptik sehr überzeugend. Die Handlung des Thrillers spielt hauptsächlich in der Gegend um Köln rum, und Schauplätze wie die Eifel begegnen uns, die durch den Autor detailliert beschrieben werden. In diesem Thriller wird ein gegenwärtiges Thema, das Internet, in den Vordergrund gerückt. Ich meine, wer kann sich heute ein Leben ohne die digitale Welt vorstellen? Ich glaube niemand. Und daran knüpft der Thriller gut an. Der Ausfall des Netzes wird in diesem Thriller sehr realistisch vom Autor dargestellt. Dadurch konfrontieren uns im Buch auch das passende Fachvokabular, wodurch ich ab und zu mal ein paar Wörter zum Verständnis nachschlagen musste. Die sich entwickelnde Panik der Menschen im Buch ist nachvollziehbar, jedoch teilweise von einzelnen Gruppierungen sehr überspitzt.

Der Fokus wird auf den Protagonisten Amir gelegt. Amir ist Politikstudent und muslimischen Glauben. Aus diesem Grund ist er im Buch oft Rassismus ausgesetzt. Durch den Thriller hinweg, wirkte der Protagonist sehr sympathisch. Dennoch konnte ich zu ihm keine emotionale Bindung aufbauen. An einzelnen Stellen fand ich seine Gewaltbereitschaft zu extrem. So schwankte das Buch meiner Meinung nach zwischen einem harmlosen Jugendthriller und einem blutrünstigen Thriller. Der Thriller beinhaltet außerdem zu viele Szenen, die einem „Actionfilm“ aus Hollywood ähneln. Szenen mit Verfolgungsjagden können somit als Beispiel genommen werden. Diese passten in das Gesamtkonzept einfach nicht rein.

Der Autor hat einen sehr komplexen und spannenden Schreibstil, der der Hauptthematik des Thrillers gerecht wird. Ein einfacher Schreibstil würde hier fehl am Platz sein.

Auch wenn das Buch Schwachstellen aufweist, kann man diese überblicken. Ein derartiges Szenario begegnete mir in einem Buch zum ersten Mal. Es war interessant, die Geschichte und die Ansätze des Autors zu verfolgen. Trotzdem erhoffe ich mir, dass es eine Fortsetzung geben wird, da mir das Ende des Thrillers zu viel Spielraum zu diversen Interpretation gab. Des Weiteren blieben mir viele Fragen offen. Schlussendlich appelliert das Buch an den Leser, sich nicht allzu abhängig von dem Internet zu machen. Ist das heute noch überhaupt möglich?

Wer Zweimal Stirbt – Leif GW Persson

Auf einem Pfadfinderausflug machen sich Edvin und seine Kammeraden auf den Weg Pilze zu sammeln. Anstatt Pilzen finden sie einen halbvergrabenen Totenkopf im Wald. Obwohl Edvin erst 10 Jahre jung ist, beschließt er den Totenkopf mitzunehmen und ihn seinem Nachbar, einem Kommissar namens Evert Bäckström vorzulegen. Evert Bäckström, ein eher älterer Kommissar zwischen 40 und 50, beschließt den Fall anzunehmen.

Dies ist der vierte Band der Bäckströmreihe. Meine Rezension basiert hauptsächlich auf diesem Band, da ich die Vorgänger nicht kenne und nichts Genaueres zu der Entwicklung von Charakteren sagen kann. Bäckström ist nicht das typische Paradebeispiel eines Kommissars. Ihn kann man eher als dick, teilweise korrupt, rassistisch und angeberisch beschreiben und gehört der Gruppe der „Alkoholikern“ an. Sein Benehmen ist schlecht. Dafür hat er einen grandiosen untrüglichen Instinkt, der insbesondere bei den harten Fällen wie Mord und bewaffneten Überfall zum Vorschein kommt. Folglich ist er von sich überzeugt und vertritt die Meinung, dass er das Musterbeispiel eines skandinavischen Profikommissars ist. Ein Antiheld eben. Auch wenn ich keine Sympathien für ihn entwickeln konnte, fand ich seine Vorgehensweise bei den Ermittlungen speziell gut. Jedoch stand mir teilweise sein Sprachgebrauch im Weg.

Die Spannung in diesem Buch war am Anfang vorhanden, verfiel jedoch total im Verlauf des Krimis. Ich bin der Meinung, man hätte diesen Krimi bisschen kürzen können. Knapp 600 Seiten sind einfach zu viel und sie langweilen früher oder später den Leser. Der Schreibstil des Autors erweist sich auch als ungewöhnlich, jedoch im negativen Sinne. Außerdem habe ich sehr lang gebraucht um mich daran zu gewöhnen. Positiv hervorzuheben waren dennoch, die Sprachwitze, die den schwierigen Schreibstil auflockerten.

„Wer zweimal stirbt“ ist ein sehr schwieriger Krimi, der wirklich gekürzt werden sollte. Bäckström werde ich nach dem Buch immer noch nicht mögen, dennoch war es okey, an seiner Seite den Fall aufzulösen.

Akuma – Nicole Siemer

Akuma
Kjara, die Protagonistin dieses Buches, entscheidet sich an den Beichtstuhl zu treten. Trotz der Furcht entscheidet sie sich dem Pastor die Wahrheit über den einen bestimmten Tag zu sagen:
„Ich kann niemals wirklich gut sein, Vater. Wenn dem so wäre, hätte ich die Männer nicht getötet.“
Und so beginnt ihre Geschichte. Ihre Vergangenheit ist grausam, schrecklich und dunkel. Aus diesem Grund möchte sie von ihrer Vergangenheit fliehen – nicht nur um sich zu schützen, sondern auch Erik, ihren Verlobten. Ab diesem einem bestimmten Tag trägt Kjara etwas in sich, dass auf den Namen Akuma hört. Akuma? Ein Märchen? Oder reine Fiktion?
„Akuma“ gehört nicht zu den „realistischen“ Thriller in diesem Genre. „Akuma“ ist für jeden geeignet, den das Mysteriöse fasziniert und sich traut in die tiefsten Abgründe der Menschheit abzutauchen. Die Essenz des Horrors kommt auch nicht kurz. Mir erschwerte nur am ganzen Buch die zeitliche Einordnung, da die meisten Kapitel mit „Heute“ gekennzeichnet werden, obwohl ein größerer zeitlicher Raum vorliegt.
Auch wenn wir in diesem Thriller recht wenige Charaktere kennenlernen, sind diese authentisch und realistisch ausgearbeitet worden. Insbesondere Akuma stellt trotz einer gewissen Mystik einen sympathischen Charakter dar, der selber in einem gewissen Zwiespalt zwischen Gut und Böse steht. Die Spannung ist durchgehend vorzufinden. Ich finde es gut, dass neben der hauptsächlichen mystischen Handlung um das Wesen Akuma, die realistische Beziehung von Kjara und Erik zur Thematik wird. Dies diente als eine gute Abwechslung. Manchmal erkennt man erst zu spät, dass manche Menschen auf ihrem wahren Ich nur eine Maske tragen.
Zusammengefasst kann ich sagen, dass „AKuma“ ein guter Thriller ist, der abseits des großen Thrillergenrespektrum, das Mystische und das Schreckenhafte in sich hervorragend verkörpert. Ich bin schon gespannt, ob eine Fortsetzung kommen wird.
Wer weiß, vielleicht trägt der ein oder andere von uns auch ein Akuma in sich.

Puppenheim – Sarah Hilary

(Unbezahlte Werbung)

Zahlreiche Vermisstenfälle von Jugendlichen erschüttern London. Man spricht von einem Mann, der seine Finger im Spiel hat, und junge ausgebrochene Mädchen, die den Weg auf die Straße suchen, entführt. Die erste Leiche wird gefunden, hin drapiert wie eine Puppe. Marnie Rome nimmt die Ermittlungen auf, da sie selber weiß, was es heißt, Opfer zu sein. Schnell merkt sie, dass man sich auf die Fürsorge des Mannes nicht verlassen kann.

Ich durfte mich nun auf den Thriller „Puppenheim“ stürzen. Das Buch ist durchgehend in zwei Perspektiven unterteilt. Einerseits springen wir an die Seite der Ermittlerin und Protagonistin Marnie. Sie wirkt zum Leser sehr distanziert und man kann zu dieser keinerlei Bindung aufbauen. Da fand ich schon den zweiten Ermittler Noah sympathischer und authentischer. Er wirkt in den Ermittlungen produktiver und „näher“ dem Leser. Anderseits sind wir hautnah am „Puppenheim“ und lernen die Mädchen kennen, die vom mysteriösen Mann in seinem Haus gehalten werden. Da wird nicht nur die Sicht eines Mädchens geschildert, sondern aller Gefangenen. Dies verleiht einen genaueren Einblick in die Story und man kann die gute und die böse Seite kennenlernen.
Leider war für mich von Anfang leicht herauszufinden, wer verantwortlich für die Entführung bzw. den Mord ist, und welchen Grund der Mörder für die Tat aufwies. So tappen nur die Ermittler noch im Dunkeln. Dies hat den Thriller teilweise negativ beeinflusst, da es ihm die Spannung genommen hat. Irgendwann am Ende hat man doch den selben Stand wie die Ermittlerin eingenommen. Dann erfuhr der Leser die notwendigen Hintergrundinformationen. Sonst war der Thriller in seiner Struktur sehr komplex, da man mit vielen Informationen (Nebenhandlungen, relevanten/irrelevanten Charakteren) bereichert wird. So musste man abwägen, inwiefern eine Info wichtig für die Geschichte ist. Ein Überfluss von Informationen!
Der Schreibstil des Buches ist recht komisch. Sätze bestehen aus recht wenigen Worten, die teilweise in keinem richtigen Zusammenhang stehen. Dies hat den Leseprozess erschwert.

Allgemein kann ich sagen, dass der Thriller in Ordnung war. Lediglich der Einblick ins „Puppenheim“ hat den Thriller positiv hervorgehoben, da ich bisher keine derartige Sichtweise verfolgt habe.

Offene See – Benjamin Myers

(Unbezahlte Werbung)

Robert ist Teil einer Bergarbeiterfamilie wird und somit ist von Anfang an klar, wie sein Schicksal besiegelt ist. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er entwickelt die Vorliebe nach der Natur, der Bewegung und dem Meer. Nach dem zweiten Weltkrieg macht er sich auf den Weg zum Ort seiner Sehnsucht, dem offenen Meer. Am Ort angekommen lernt er eine alte Frau kennen, die Robert zu sich einlädt. Beide geraten in ein tiefgründiges Gespräch über Ehe, Religion (…). Als Dank bietet Robert ihr seine Hilfe an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das. Aber warum?

„Offene See“ ist für mich ein Roman, der sich insbesondere für eine gemütliche Lesetag empfiehlt. Demnach ist hier ein Spannungsbogen nicht vorzufinden. Eine poetische und sehr ruhige Sprache, die die Natur harmonisch beschreibt, verfolgt uns über den ganzen Roman hinweg. Wortspiele und indirekt Lebensweisheiten werden dem Leser auf den Weg mitgegeben. Inhaltlich gesehen, trifft Robert auf die alte Dame, namens Dulcie. Auf den ersten Blick erweckt man das Gefühl, dass zwei komplett verschiedene Welten, vor allem zeitlich, aufeinandertreffen. Schnell zeigt sich, dass diese zwei Figuren trotz sehr starken Gegensätzen viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Folglich profitieren beide voneinander, wodurch insbesondere Robert eine positive Entwicklung durchlebt. So wie das Cover minimalistisch entworfen ist, so ist es dieser Roman auch.

Ich kann nur sagen, dass der Roman „Offene See“ insbesondere, bei einem ruhigen Tag sich zum Lesen lohnt.
Dieses Buch zeigt, dass eine ruhige Geschichte, einen Leser auch begeistern kann.

Neuschnee – Lucy Foley

Ein Zufall? Oder doch ein Mord unter Freunden? Neun Freunde feiern in den schottischen Highlands in einer abgelegenen Berghütte. Sie gehen jagen, erkunden die Landschaft. Doch dann taucht ein heftiger Schneesturm auf, der die Freunde von der Außenwelt abschneidet. Gerüchte über einen Serienmörder werden zum Gesprächsstoff, und die tiefsten Geheimnisse der Gruppe finden ihren Weg ans Licht. Doch dann wird einer der Freunde draußen tot aufgefunden. Die Situation eskaliert…

So wie das Cover eine atemberaubende Kulisse widerspiegelt, so beschreibt die Autorin einen sehr gelungenen Handlungsort, den man sich exzellent vorstellen kann. Die Beschreibungen der Landschaft und des Ortes kann man wirklich spüren. Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass viele Thriller zwei verschiedene zeitliche Handlungsstränge aufweisen, und so ist es hier auch der Fall. Nur liegt der zeitliche Unterschied zwischen den Handlungssträngen nicht bei Monaten oder Jahren, sondern bei 2-3 Tagen.

Neben diesem enthält auch jeder Handlungsstrang, verschiedene Perspektiven von verschiedenen Charakteren aus der Freundesgruppe sowie des Wildhüters und weiteren Personen. Folglich erhalten wir Einsichten in fast jede Figur, und jede Figur weist auch andere Stimmungsbilder auf. Eine Herausforderung, die mich viel Kraft gekostet hat, um die einzelnen Zusammenhänge zwischen den Charakteren herzustellen und um überhaupt ein Gesamtüberblick zu erhalten. Demnach haben sich die ersten Seiten sehr schwer gelesen und einzelne Stellen wurden teilweise so sehr in die Länge gezogen, sodass ich mich fragte: „Wann hört dieses Kapitel endlich auf?“ Die Spannung kam erst so richtig ab der Hälfte des Buches auf und ab da konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Einzelne Puzzlesteine wurden in einem angenehmen Rhythmus zum ganzen Bild zusammengesetzt.

Eine grandiose Spannungssteigerung entwickelte sich, und man war ab da gefesselt. Als Leser hat man mitgefiebert und wollte endlich erfahren, wer die Verantwortung für die Leiche trägt. Und ich war über die Lösung sehr erstaunt! Der Schreibstil der Autorin war gut und hat mich fesseln können.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass dieser Thriller trotz einem langweiligen Beginn, ein grandioses Ende liefert, in welchem zahlreiche Wendungen zum Mitfiebern anregen. Wer kein Problem hat, bei diesem Thriller kognitiv beansprucht zu werden, um Zusammenhänge herzustellen, der sollte sich diesem atmosphärischen Thriller widmen.

Die Tanzenden – Victoria Mas

Ganz Paris wartet sehnsüchtig auf Louise und Eugenie, die im berühmtesten Krankenhaus der Stadt in der Ballnacht glänzen sollen. Ob die Hysterikerinnen nicht gefährlich seien, raunt sich die versammelte Hautevolee zu und bewundert ihre Schönheit gerade dann, wenn sie die Kontrolle verlieren. Doch für die beiden steht alles auf dem Spiel. Sie wollen aus ihrer Rolle ausbrechen, und den Tätigkeiten nachgehen, die Männer tuen – lesen, träumen, lieben. Die Autorin erzählt vom Aufbruch derer, die sich nicht zufriedengeben, von berührender Solidarität und unbeirrbarem Mut.

Bei den Tanzenden handelt es sich nicht um eine Protagonistin, sondern um drei Hauptcharaktere, die alle nach der Freiheit streben. Eugenie, eine eingewiesene Frau in die Salpêtrière durch den eigenen Vater, da sie sich weigert Mutter und Ehefrau sein sowie Tote hören und sehen kann. Genevieve, die Krankenschwester, eine harte Aufpasserin, ohne Gnade und Feingefühl. Durch den Einfluss von Eugenie, erkennt sie, dass die männlichen „Götter in Weiß“ nicht immer die Engel sind. Zu Letzt Louise, mit einer grauenhaften Vergangenheit, die sich dennoch wünscht Mutter und Ehefrau zu werden. Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben plagt die drei Frauen. Alle Frauen landen auf den Ball, auf welchem die verschiedensten Menschen aufeinandertreffen. Erlangen die Frauen eine Wendung in ihrem Leben?

Die Autorin schildert einen sensiblen Blick in die Welt der Hauptcharaktere, wodurch die Geschichte an Ernsthaftigkeit erhält. Die Esoterik findet auch ihren Platz. Zu den Charakteren konnte ich nur eine Distanz aufbauen, und die Stimmung war in diesem Buch durchgehend düster. Man kann einfach ab der ersten Seite erkennen, dass die Zukunft der Frauen aussichtlos ist. Durch eine ausführliche Recherche der Autorin zu den damaligen Geschehnissen erhält der Roman auch die gewisse Authentizität. Der Anfang hat sich zu sehr in die Länge gezogen und das Ende entwickelte sich zu abrupt.

Der Roman liefert gut strukturelle Einblicke ins 19. Jahrhundert, die für manche Leser erschreckend sein können. Auch wenn das Buch die schreckliche Realität der Frauen der Vergangenheit darstellt und den Unterdrückten eine Stimme gibt, verfehlt das Buch teilweise das Thema. Außerdem suggeriert das Cover und Klappentext etwas Anderes, als das was wir aus der Handlung mitnehmen.

Liebe mich, Töte mich – Jennifer Hillier

Liebe mich, töte mich:

Angela, Georginas (Geo) ehemalige beste Freundin und ein normales Mädchen kehrte vor vierzehn Jahren nach einer Party nicht nach Hause zurück. Nun wird ihre Leiche gefunden. Die Polizei vermutet schnell, dass sie dem berüchtigten Serienkiller Calvin James unters Messer gefallen ist. Doch niemand weiß, dass der Serienmörder Geos erste Liebe war. Nach und nach werden weitere Frauen nach demselben Schema ermordet. An jedem Tatort findet die Polizei Botschaften, die ausgerechnet vom Killer an Geo ausgerichtet sind. Ist Geo in Gefahr?

Aufgrund der Unübersichtlichkeit in den ersten Kapiteln und einer anderen Vorstellung der Thematik durch den Klappentext, wurde mir der Einstieg in den Thriller erschwert. Ich habe eine Zeit lang gebraucht, um mich überhaupt mit der Situation zurecht zu finden.

Doch dann starten wir mit Geo, die im Gefängnis landet. Das Milieu wird von der Autorin recht düster beschrieben und man stellt sich vor, dass man in eine bekannte Serie über ein Frauengefängnis abtaucht. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Perspektive der Protagonistin Geo geschrieben. Ab und zu kommt es mal vor, dass wir die Perspektive eines Ermittlers und Geos Bekannten, namens Kaiser, einnehmen. Außerdem ist das Buch in Teile untergliedert, die den Inhalt im jeweiligen Teil zeitlich eingrenzen und durch Phasen der Trauerüberwindung (Verleugnung/Wut/Verhandlung/Depression/Akzeptanz) der Protagonistin gekennzeichnet sind. Dies finde ich sehr gelungen.

Nebenbei verläuft die Geschichte auch in zwei Zeitebenen. Einerseits der Gegenwart, anderseits der Vergangenheit, in dem wir auch noch die ermordete Angela kennenlernen. Nach und nach erfährt der Leser mehr über Geo, Calvin, Angela und Kaiser, und kann sich somit ein Bild machen, wie es dazu gekommen ist, dass Angela umgebracht worden ist. So werden auch die essentiellen Informationen erst am Ende offenbart. Zu Geo ließ sich eine Bindung aufbauen, zu den weiteren Charakteren jedoch nicht.

Ein sehr großes Lob geht an die Autorin, da sie in diesem Thriller Wendungen eingeführt hat, die einfach man nicht antizipieren konnte. Ich war teilweise schockiert, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt hat. Top! Der Thriller wurde mit einem sehr guten Ende abgeschlossen.

Der Schreibstil der Autorin fesselt den Leser. Selten mag ich Thriller, bei denen die Kapitellänge über 20 Seiten geht. Hier muss ich aber sagen, dass es mich ganz und gar nicht gestört hat. Es hat einfach zum ganzen Konzept sehr gut gepasst.

Am Ende lässt sich nur sagen, dass „Liebe mich, Töte mich“ ein toller Thriller ist. Ich kann ihn wirklich jedem empfehlen.

Der Tattoosammler – Belsham Alison

Ein Serienkiller, der seinen Opfern die Tattoos aus dem Leib schneidet? Kann man grausamer sein? Marni Mullins, eine Tattoo-Künstlerin entdeckt in Brighton eine blutige Leiche. Als eine zweite Leiche entdeckt wird bittet Detective Francis Sullivan sie um Hilfe. Durch ihre Kenntnis in der Tattooszene soll Marni dem Detektiv den Serienkiller fassen. Leider ereignete sich in Marnis Leben ein grausamer Vorfall mit der Polizei, wodurch sie nie wieder mit der Polizei zu tun haben wollte. Schlussendlich beschließt die Protagonistin den Serienkiller selber zu jagen, bevor ein weiteres Opfer gefunden wird.

Ein sehr düsteres und dunkles Cover begrüßt uns zu Beginn.

Über den Thriller „Der Tattoosammler“ habe ich schon zahlreiches positives Feedback gehört, wodurch meine Erwartungen an dieses Buch sehr hoch waren. Der Thriller beginnt direkt mit der Sicht des Täters. Der Anfang ist nichts für schwache Nerven. Brutale Vorgehensweisen des Mörders wie z.B. „Zeit für einen kurzen tiefen Schnitt (…) (S. 11)“ werden detailliert beschrieben. Keine Gnade! Und dann fängt die Hauptgeschichte um Marni und Francis an.

Mich konnte das Buch von der ersten Seite an fesseln. Ein spannender und brutaler Schreibstil begegnet uns über das Buch hinweg. Francis und Marni sind sehr ungewöhnliche Charaktere, die auf den ersten Blick nicht zu einander passen, sich jedoch in den individuellen Ermittlungen gut ergänzen. Ihre verschiedenen Sichtweisen, die des Öfteren zu Konflikten führen, lassen das Buch lebendig wirken. Nebencharaktere wie Rory erweckten in mir eine sehr starke abgeneigte Haltung. Diese waren jedoch wichtig, damit der Verlauf des Buches nicht zu monoton sein würde. Die vorher angesprochene Sichtweise des Mörders tauchte immer wieder auf, wodurch man seine psychopathische Seite auch kennenlernen konnte. Auch wenn ich auf dem Tattoo-Fachgebiet mich sehr wenig auskenne, kann ich sagen, dass die Autorin eine grundlegende Kenntnis auf diesem Gebiet aufweist. Dies verleiht dem Thriller die Authentizität. Die Geschichte, die viele Wendungen und atmosphärische Szenen enthält, ist der Autorin sehr gelungen.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass der Thriller mich gefesselt hat. Auch wenn einzelne Abschnitte im Buch sehr in die Länge gezogen worden sind, war die Spannung da. Es hat mich wirklich sehr gefreut den „Tattoosammler“ zu lesen. Meine hohen Erwartungen wurden komplett erfüllt. Wer recht sensibel ist, sollte sich zweimal überlegen, diesen Thriller zu lesen. Und so wie ich es richtig verstanden habe, gibt es weitere Teile um das Ermittlerduo Francis und Marni, die nur übersetzt werden müssen. Dann mal schnell!